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'Purpose'!?? - Geschwurbel aus den Chef-Etagen

"Raider heißt jetzt Twix - geändert hat sich nix", textete eine Agentur 1991 für den Süßwarenriesen Mars. 2019 heißt Twix wieder Raider und in den Spitzen der Konzerne redet man nicht mehr vom Unternehmenszweck 'shareholder value', sondern vom viel bedeutungsschwereren 'purpose', der jetzt Leitthema für das Managen werden soll. 'Purpose' soll Gesellschaft und Mensch in den Fokus des Unternehmenshandelns rücken. Die SZ fragt in ihrer Ausgabe 259/2019, ob das wirklich ernst gemeint sei. Schließlich haben sich ausgerechnet Konzerne zum 'purpose' bekannt, die unverdrossen weiter nach Steuerschlupflöchern suchen, hire and fire praktizieren oder dubiose Geschäfte betreiben. Was ist davon zu halten?

Bekannt wurde der Begriff 'purpose' vor allem durch das Buch des ehemaligen McKinsey-Beraters Frédéric Laloux, der sich frustriert von den Mäckies verabschiedete. In seiner Studie stellt er Firmen vor, die sich von den klassischen Formen von Organisation absetzen und Unternehmenszweck, Führung - alle relevanten Aspekte des Unternehmens von einem Punkt her neu denken: Wofür sind wir in unserer Gesellschaft und für die Menschen da? Schlicht: es geht um den Beitrag zum Ganzen, und nicht darum, für einige das Maximale herauszuholen. Letzteres ist das beständig weiter propagierte Shareholder-Prinzip, wonach die Gewinne des Unternehmens seinen Eignern - auch in Anteilen - zukommen, und nur ihnen. Nicht der Kunde ist König aus dieser Sicht, sondern einzig die Anteilseigner. Die Unternehmen der neuen Entwicklungsstufe von Organisationen, wie sie Laloux beschreibt, steigen über diese vom Neoliberalismus als natürlich gesehene 'egoistische' Haltung hinweg. Diese Unternehmen sind evolutionär bereits woanders, und Studien zeigen, dass sie erfolgreicher sind als die klassisch profitgetriebenen.

Was sollen wir also von Unternehmensspitzen erwarten, die vollmundig von 'purpose' sprechen und das genaue Gegenteil praktizieren? Wieder nur bodenloses Marketing-Geschwätz? Oder wollen die Herren (denn es sind nahezu ausschließlich diese) wirklich etwas ändern? Das Mißtrauen, dass mit 'purpose'-Versprechungen einmal mehr Sand ins Auge der Öffentlichkeit gestreut werden soll, ist vielfach begründet. Vielleicht brauchen wir mehr 'Managerwatch', mehr Kontrolle vor allem der machtvollen Riesenkonzerne. Eines ist klar: die wirklich konstruktiven Veränderungen geschehen fast immer in den kleinen und mittleren Betrieben, das zeigt auch Laloux.